London – „mind the gap“

London war nicht zwingend ganz oben auf der Reiseliste, aber wenn man schon mal da ist, kann man ja auch direkt was daraus machen.
A pro pos, wenn man schon mal da ist – das waren außer uns auch sehr viele andere und es sollten in den Tagen unserer Abreise noch viele viele mehr werden. Warum => encoronation of King Charles III.
Die Stadt war bereits Tage (wenn nicht Wochen) zuvor beinahe schon hermetisch abgeriegelt. Ich glaube nicht dass ich je zuvor so viele Absperrgitter in einer Innenstadt auf einmal gesehen hatte.
Für alle die nicht bereits ein ohnehin teures Hotelzimmer gebucht hatten, hieß es gaaanz tief in die Tasche greifen – es wurden Zimmerpreise von 700, 800 oder 900 Pfund pro Nacht und Person aufgerufen. Der Vollständigkeit-halber, das waren keine Luxus- oder 5-Stern-Hotels.
Ungeachtet dessen kann man mit etwas Zeit und guten Schuhen London ganz wunderbar zu Fuß erkunden.
Die vermeintlichen Headliner wie Buckingham Palace oder Trafalgar Square stehen der medial vermittelten Bildgebung in echt leider hinterher.
Am Buckingham Palace angekommen war ich erst der Meinung, dass der Haupteingang wo anders sein müsste…und am Trafalgar Square und Picadilly Circus wäre ich beinahe vorbei gelaufen, ohne die hübschen Straßenschilder.
Die Krone hingegen ist in London allgegenwärtig – im wahrsten Sinne des Wortes. Straßenlaternen und selbst Dachrinnen tragen Krönchen, mit dem Emblem des jeweils herrschenden Monarchen. Am Tower sind die Dachrinnen, den Krönchen zu urteilen, wohl noch aus der Zeit von Queen Victoria (VR).
Ob die Queen tatsächlich jemals einen Spaziergang am „Queens Walk“ an der lebhaften Themse-Promenade gemacht hat, es darf daran gezweifelt werden.

Eine Empfehlung die wir vor Ort bekommen hatten – der Portobello Road Flohmarkt – kann man machen, muss man aber nicht. Da wir (oder eher ich) ohnehin nach Notting Hill wollten wegen der berühmten blauen Tür und dem Buchladen, ging es in einem.
Angeblich sollte das ein Straßenflohmarkt sein mit viel auch Handwerk und „Einzelstücken“. Tatsächlich sind es 2 lange Straßen durch die man von Menschenmassen geschoben wird, vorbei an einigen Ständen mit außerordentlichen Kuriositäten (Gasmasken, alte Leder-Fußballschuhe oder Kameras aus den 90ern) aber auch vielen der klassischen Ramsch-Ständen. Einige wenige sind dazwischen, die tatsächlich etwas besonderes und vielfach lokal oder per Hand gefertigtes anbieten. Schade nur, dass man diese eher suchen muss.

Finnisch-Lappland…100.000 Reintiere auf 10.000 Einwohner

Ein weiterer, eigentlich beruflicher „Ausflug“ hat mir die Möglichkeit verschafft, eine ganze Latte meiner persönlichen Bucket-List abzuhacken.
Husky-Schlitten fahren, in einem Glas-Iglo schlafen, Nordlichter sehen, Schneemobil fahren und Schneeschuhwandern.
Grundsätzlich war vieles davon bereits Teil des Teilnehmer-Programms allerdings hatte ich bereits im Vorfeld beschlossen, nochmal 3 Tage Lappland dran zu hängen nur für mich – ganz nach meiner Agenda – und es war jeden Cent und jedes Grad Minus wert!
Wir hatten vor Ort tatsächlich Glück – es waren nie unter -20 Grad (und Anfang Januar können es auch gut und gerne schon mal -30/-40 Grad sein.
Das heißt, entsprechende Klamotten und Ausstattung ist ein Muss!
Ein von vor-Ort direkt verschickter Video-Schnippsel der Husky-Schlittenfahrt forderte den brüderlichen Kommentar „the-middle-of-nowhere wäre hiermit definiert“ und was soll ich sagen – er hatte recht 😀

In der Gegend von Saariselkä leben bei ca 10.000 Einwohnern ca. 100.000 Rentiere. Das beschreibt schon ein kleines bisschen das Verhältnis von bewohnten Regionen im Vergleich zu „Gegend“ – davon haben die da oben tatsächlich reichlich.

Weil ich Huskys so grandios finde, habe ich mir zwei verschiedene Touren gegönnt – einmal zum vollständig selbst fahren und einmal in einem 10er-Schlitten hauptsächlich mit-fahren.
Zum selbst fahren – die erste Regel: wenn du stehen bleibst, Anker setzen, sonst ist der Schlitten weg und vor der Kurve bremsen, den Hunden ist es nämlich ziemlich egal ob du die Biegung bekommst, da musst du schon selbst drauf schauen, die Herrschaften geben einfach Gas.
Highlight: das Mädchen durfte nach der Schlittenfahrt noch eine Weile ins Gehege mit den Husky-Babies (knappe 3 Monate alt) – da ist die Kamera allerdings ganz fix abgemeldet, weil es wird alles beschnuppert und angeknabbert was in Reichweite ist, außerdem müssen sämtliche Hände zum kraulen herhalten <3

Tags danach, auf einer kleineren Huskyfarm (www.happyhuskies.com), dafür mit großem Schlitten, war es nochmal eine ganz andere Erfahrung. Im Winter brauchen die Tiere täglich ca 25km bei durchschnittlichen 15km/h „Auslauf“ – mehr Hobbies braucht man dann nicht mehr.
Sobald die Hunde im Geschirr sind, wollen sie auch los und zwar JETZT – was sie lautstark verkünden. Und faszinierend, die beiden Leithunde dieses Rudels, beherrschen bestimmte Kommandos, so wie links/rechts, langsamer/schneller u.ä. – bei voller Fahrt.
Und JAAA Husky-Welpen sind einfach zum einpacken süß – allerdings wären diese in den mitteleuropäischen Breitengraden unglaublich arm. Ihre Höchstleistungen und am wohlsten fühlen sie sich bei ca -15 Grad. Ab -10 Grad aufwärts wird’s den Hunden schon wieder warm beim laufen und unterwegs wird Schnee aufgeschnappt und bei jedem kurzen Halt kommt entweder die Schnauze in den Schnee oder der ganze Hund.

Ein weiteres Highlight habe ich noch in der letzten Nacht vor Ort geschafft. 3 mal war ich Nachts (mit Guides) unterwegs und tatsächlich erst in der letzten Nacht habe ich es geschafft Nordlichter in live und Farbe zu sehen.
Auch hier die Erkenntnis, man muss den Himmel lesen können um zu erkennen, wo sie demnächst stärker werden und es sich lohnt Halt zu machen. Es grandioses Spektakel und ganz nebenbei habe ich noch nie zuvor einen so klaren Sternenhimmel und auch die Milchstraße gesehen.
Als Erkenntnis dieser Nacht – so 1-2 Blenden am Objektiv haben oder nicht haben entscheiden über fotografisches sein oder nicht-sein.

Fazit:
– Mit der entsprechenden textilen Ausstattung ist die Kälte überhaupt kein Problem. Und fairerweise, -5 bis -10 Grad in DE/AUT fühlen sich deutlich kälter an als da oben -15/-20 Grad.
– Die Natur, die Schneelandschaften sind faszinierend – und gleichzeitig unglaublich beruhigend (muss am Schnee liegen…)
– Huskies dort oben leben das ganze Jahr draußen – und riechen auch so 😀
– Rentiere interessieren sich eigentlich nur für dich, wenn du zB getrocknetes Moos anzubieten hast
– mein persönliches Wohlfühltempo auf dem Schneemobil, bei Nacht & Schneefall endet bei 30 km/h

Nairobi Safaritour

Nairobi – oft gehört und bisher maximal mit dem Finger auf der Landkarte dort gewesen. Recht schnell war klar, der berufliche Trip dahin muss zumindest noch ein kleines bisschen verlängert werden – wer weiß wann man denn da nochmal hinkommt.
Die private Vorbereitungszeit war, bedingt durch die geschäftlichen Vorbereitungen auf ein absolutes Minimum limitiert, aber es hat zumindest soweit gereicht, das Hotel zu verlängern und mir zwei unterschiedliche Safari-Touren zu checken.

Jetzt bin ich zwar grundsätzlich kein absoluter Scheißer, aber wissend, dass Nairobi ein völlig anderer Kulturkreis ist und im Unwissen um dortige Gepflogenheiten und welche Gegenden man als der Landessprache Unmächtiger möglicherweise meiden sollte, habe ich mich den „Luxus“ gegönnt, Anbieter zu wählen, die mich vom Hotel abholen.
Was ich allerdings erst auf der ersten Tour erfahren habe ist, dass es im nächstgelegenen Nationalpark (der übrigens direkt an der Stadtgrenze liegt und auf einer Seite hin offen ist um den Tieren „ein- und ausreise“ zu ermöglichen) keine Elefanten gibt, da er dafür zu klein ist.

Im Hotel eingesammelt, ging es knapp 30min Richtung Stadtgrenze, auch durch Stadtteile, wo man als ausländische weiße Frau, froh ist dort nicht aussteigen zu müssen.
Am Parkeingang angekommen, ist die erste Grundregel: Nicht aussteigen! Es gibt wohl eine handvoll von Rangern bewachte Plätze im Park wo man kurz aussteigen darf und, wenn nötig, auch mal „um’s Eck“ kann. Wer Toiletten oder etwas ähnliches erwarten würde, wird bitter enttäuscht. Auch das alt-hergebrachte Plumpsklo gleicht einem Thron im Vergleich. Sagen wir, es ist ein Erdloch mit ein paar Holzplanken rundherum 😉

Das allerdings hat der Safari-Erfahrung keinen Abbruch getan.
Tiere haben auf sämtlichen Fahr-Pisten grundsätzlich Vorrang, und so kann es schon vorkommen, dass man mal eben 15min anhält um zu warten bis die Giraffenherde die „Straßenseite“ vollständig gewechselt hat.
Viele Tiere hätte ich ohne Hinweis im Gebüsch oder den Tümpeln, nicht mal gesehen und entdeckt. Mindestens ebenso viele Tiernamen habe ich mir nicht merken können aber auch die Feststellung „Pumba“ hat sich als universelle Bezeichnung für ein Warzenschwein offensichtlich durchgesetzt.

Neben dem Highlight am zweiten Tag, eine Löwendame beim Erbeuten eines Gnu’s (?) zu erwischen, war es durch die Bank extrem beeindruckend, all diese Tiere, teilweise so Nahe und in live zu erleben.
Diese ca. 3h Tour ist voll von spannenden Erfahrungen und Momenten und ich hatte das Glück, besonders am ersten Tag, einen Guide zu haben, der wahnsinnig viel zu den Tieren erzählen konnte und geteilt hat. Egal ob es die Zebras sind, die in völliger Ruhe dort standen, wohl aber weit davon entfernt sind, nette Tiere zu sein. Das Rudel Löwinnen am Horizont, die samt ihrer Jungtiere, die vorbeilaufenden Warzenschweine und ähnliches ganz genau im Auge behalten, Baby-Pfaue die wie flauschige kleine Wollknäuel hinter dem Muttertier her sausen.

Am Ende, neben ganz vielen spannenden Eindrücken, auch die Erkenntnis, dass es durchaus eine gute Portion Glück braucht um auch entsprechende Bilder mit nach Hause zu bringen – die Tiere kümmern sich nicht darum ob man die Kamera bereits parat hat oder die Einstellungen noch fix anpassen muss.

Venedig – history, expectations and stereotypes

Venedig war bereits seit jeher einer jener Plätze auf dieser Erde die auf meiner ganz persönlichen „musst du gesehen haben“-Liste standen. Nur der passende Moment hatte sich noch nicht bieten wollen. Zumal es nicht die Stadt ist, an die man zuerst denkt wenn man alleine verreisen wird.
Venedig, der Inbegriff der Stadt der Liebe und Liebenden, voller romantischer Geschichten (egal ob wahr oder erfunden).
Im Gegenzug, so heißt es, ist Venedig insbesondere zum Karneval und im Sommer von Touristen völlig überlaufen, brütend heiß und es herrsche ein ständiges Gedrängel und Geschiebe in den vielen kleinen Gassen und ganz besonders an den berühmtesten Ecken.
Unter diesen Vorzeichen und mit diesen Argumenten hatte mein Freund einen Trip nach Venedig abgewunken und ich mich damit arrangiert, bei Gelegenheit möglicherweise alleine hinzufahren.

Wenige Wochen nach meinem Geburtstag, im sommerlichen Urlaubsmodus bekam ich nun den Auftrag ein paar Sachen für einen Überraschungsausflug zu packen. Ich sollte Wanderschuhe aber auch ein hübsches Kleidchen einpacken – was in der Kombination so gar keinen Sinn machen wollte. Wozu sollte ich bei einer Wandertour bitteschön ein Sommerkleidchen brauchen?
Letztendlich „durfte“ ich die Wandersachen zu Hause lassen und hatte (für den Fall der Fälle) meine Kamera in die Tasche geworfen als es losging.
Am Flughafen angekommen hatte ich noch immer keine Ahnung wo es nun wirklich hingehen sollte, erst als wir zum boarding ans Gate ging, war das Rätsel gelüftet – es geht nach Venedig <3
So ging eine mehrtägige Reise, voller Überraschungen und einmaliger Erfahrungen los, mit dem Freund, der sich diebisch darüber gefreut hat, dass ich bis zum letzten Moment keinen blassen Schimmer hatte.

In Venedig angekommen, ging es mit dem Wassertaxi vom Flughafen zum Hotel, auf einer eigenen, kleinen, der Stad vorgelagerten Insel. Von diesem traumhaften Hotel aus starteten wir so einige Tage vollgepackt mit Erfahrungen, zauberhaften Orten, wundervollen kleinen Lokalen mit tollem Essen und ganz viel wir-Zeit.

Am Ende standen ein paar Erkenntnisse: Venedig ist gar nicht überall so überlaufen, zu Fuß durch die Gassen „irrend“ entdeckt man spannende Ecken, Fotomotive gibt es in rauen Mengen, eine der besten „free walking tours“ die ich je machen durfte, zauberhafte kleine Lokale zum Abendessen mit tollem Wein…ein paar Tage voll gefüllt mit viel Lachen, ständig neuen Eindrücken, tolles Essen, köstlicher Wein, uneingeschränkte uns-Zeit und einmalige Erinnerungen.

Island – ein Naturschauspiel

Eine isländische Lokal-Weisheit besagt „wenn dir das Wetter nicht gefällt, warte einfach 10 Minuten“.  Und was soll ich sagen – es stimmt. Island war eins der ersten Länder, in dem ich meine bisherige Erkundungstaktik – mit ipod zu Fuß auf Erkundungstour – überdenken musste, da die Highlights durchaus weitläufig über das Land verstreut sind und Reykjavik durchaus eine vergleichsweise kleine Stadt ist.
Bei so einem Tagesausflug begegnet einem wettertechnisch tatsächlich alles – strahlender Sonnenschein, Schneesturm und Wind(böen) die jedem Schaf die Locken vertreiben würden. Eindrucksvoll auch wenn man eben noch fotografierend an einer Klippe stand, zum Perspektivenwechsel in die Hocke geht um im nächsten Moment festzustellen – diese unvorhersehbare Windböe hätte mich stehend vermutlich um 2-3 Schritte „versetzt“, und dort wäre die Klippe schon aus gewesen.
Grundsätzlich bleibt aber zu sagen: Anfang April ist dort noch richtig Winter, richtig kalt – also auf jeden Fall mehrere (winddichte) Schichten, inkl. Skiunterwäsche einpacken!
Noch etwas, das man überall in Island sieht, Isländer Pferde, die das ganze Jahr über draußen auf der Koppel leben. Zudem kann man an den Pferden ablesen, woher der Wind gerade kommt – die Herde steht eng zusammen und dreht immer den Hintern dem Wind entgegen, nur einer aus der Herde schiebt sozusagen „Wache“ und trotz dem Wind, um sicherzustellen, dass sich nicht unbemerkt Gefahr nähert. Außerdem dürfen Pferde die einmal die Insel verlassen haben, nie wieder zurück kommen. Was daran liegt, dass auf der Insel keins der Pferde geimpft ist oder werden muss – nicht zuletzt weil die Regularien so streng sind und damit nichts eingeschleppt werden kann.

Ein besonderes Highlight war der Besuch in der sogenannten „Blue Lagoon“. Von diesen warmen Quell-Pools und -Bädern gibt es zwar mehrere auf der Insel, allerdings sind nicht viele a) so gut erreichbar und b) so gut ausgebaut.
Es heißt die Blue Lagoon sei überlaufen – was aber im Vergleich zu hiesigen Thermalbädern – als Übertreibung gewertet werden kann.
Es war ein grandioses Erlebnis das man auf keinen Fall auslassen sollte, wenn man in Island ist.

Island grundsätzlich ist ein Land voller Naturspektakel und eindrucksvoller Plätze, Aus- und Ansichten.
Geysiere, Wasserfälle oder der Ort wo zwei Kontinentalplatten sich voneinander weg bewegen, wo dazwischen Landmasse entsteht und man sogar zwischen den Kontinentalplatten tauchen kann.
Einzig die Nordlichter blieben nach dieser Reise noch auf der Bucketlist stehen, hier war uns das Wetter leider nicht gewogen.

Fazit: Island, ein tolles Land, absolut sehenswert und staunen garantiert!